Der Hüter am Brunnen

MEDIOMA – Der Hüter am Brunnen

Der Hüter am Brunnen

Ein neues Lied aus der Sage vom verschwundenen Gastmahl

Ein gedeckter Tisch tief im Berg, mit Brot, Wasser und Wein aus alter Nacht. Wer hier einkehrt, darf essen und trinken. Nur eines darf er nicht: etwas mitnehmen. Die Sage vom verschwundenen Gastmahl erzählt von dieser Prüfung, und sie erzählt davon, was geschieht, wenn ein Mensch sie nicht besteht.

Wir haben die Geschichte umgedreht und lassen nicht den Wanderer erzählen, sondern den, der am Tisch wartet: den Hüter. Er hat den Müden durch kühlen Stein geführt, das Mahl bereitet und den Spruch gesprochen, der über den Zauber wacht. Und er hat gehofft, dass dieser Gast endlich die Grenze achtet. Am Ende fließt der Hüter selbst leise aus dem Stein, als Wasser des Brunnens, und wartet weiter auf den einen Menschen, der seinen Tisch mit leeren Händen verlässt.

Das Lied lebt von einem wiederkehrenden Motiv in h-Moll, das gepfiffen zwischen den Strophen auftaucht, ruhig und ein wenig unheimlich, wie ein Echo im Stollen.

✦ ✦ ✦

Der Liedtext

Refrain

Iss und trink, doch lass es sein,
nimm nichts mit aus meinem Haus.
So nah war ich dem ersten Licht,
doch du gingst nicht allein.
Doch du gingst nicht allein.

Strophe 1

Ich stand am Rand der heißen Zeit,
wo keiner lange bleibt.
Der Staub lag schwer auf deinem Weg,
der Tag war müd’ und weit.
Ich sah dich fallen in den Schlaf,
noch eh du mich erkannt.
Ich hoffte nur, du wärst der,
der die Grenze achten kann.

Strophe 2

Ich führte dich durch kühlen Stein,
durch Jahre ohne Zahl.
Der Berg kennt meinen stillen Eid
um diesen dunklen Saal.
Ich stellte Brot und Wasser hin
und Wein aus alter Nacht.
Ein Spruch nur sprach ich leise aus,
der über Zauber wacht.

Refrain

Iss und trink, doch lass es sein …

Strophe 3

Ich sah die Hand, sie zögerte,
wie Laub im ersten Wind.
Ein Atemzug, ein stiller Blick,
und ich wusste, wer wir sind.
Als du den Apfel bei dir trugst,
war alles längst gesagt.
Der Berg schloss langsam seine Tür
und schwieg, wie er es mag.

Refrain

Iss und trink, doch lass es sein …

Coda

Nun fließ ich leise aus dem Stein,
wo Hoffnung enden muss.
Vielleicht trinkst du von mir und spürst,
was du verloren hast.
Wenn je ein Mensch mit leeren Händen
meinen Tisch verlässt,
dann darf auch ich den Berg vergessen,
denn aus ist mein Arrest.

Text & Musik: Ricky Helfgen

✦ ✦ ✦

Folgt MEDIOMA auf SoundCloud und im WhatsApp-Kanal.
Wo alte Sagen in Musik enden.

Leg es nieder am Rand des Quells …

Cover: Sironas Quelle – MEDIOMA

  

„Leg es nieder am Rand des Quells …“

Tief im Wald bei Hochscheid im Hunsrück, dort wo der Kappelbach entspringt, verehrten die Menschen vor fast zweitausend Jahren eine Göttin des heilenden Wassers: Sirona. Kelten und Römer kamen an ihre Quelle, brachten Gaben und Gebete und legten ihre Sorgen ins Wasser. Gefunden wurde dort ein Heiligtum mit einem Bild der Göttin: eine Schlange um den Arm, eine Schale mit Eiern in der Hand, beides Zeichen für Heilung und Erneuerung.

Mit „Sironas Quelle“ lassen wir die Göttin selbst sprechen. Sie hat Tempel zerfallen sehen, erlebt, wie Gebete die Sprache wechselten und Kapellen auf ihrem Ort entstanden, und sie ist doch immer dieselbe geblieben: das Wasser, das nicht urteilt, sondern nur hält und trägt.

Im Mittelpunkt steht ein Jäger, der im Herbstnebel an die Quelle kommt, einen Pfeil in der Hand und mit der Schuld am Blut eines Freundes. Er betet nicht. Er legt einfach ab, was ihn bedrückt. Heil geht er nicht nach Hause, aber leichter.

✦ ✦ ✦

Jetzt anhören

▶ „Sironas Quelle“ auf SoundCloud

Der Text

Strophe 1

Ich steige empor, wo das Moos alt und tief
Wo der Wald seine Seelen im Dunkel umschlief
Ich sah Tempel zerfallen, vergehen im Staub
Gebete wechseln die Zunge, doch ich blieb gebraucht.
Sie kommen mit Lasten, die schwer auf ihnen ruhn
Suchen nach Vergebung, andere wollen nur Ruhn
Doch ich bin das Wasser, ich richte sie nicht
Ich halte nur, was die Erde verspricht

Refrain

Leg es nieder am Rand des Quells
Lass die Strömung tragen, was dich nicht erhellt
Ich bin Sirona, der ewige Born
Ich webe dein Leid durch Wurzel und Dorn
Durch Stein, durch Zeit, durch den Faden der Jahre
Die Quelle erinnert in Stille an das Wahre.

Strophe 2

Er kam im Herbst, als der Nebel sich lag
Einen Pfeil in der Hand seit jenem einen Tag
Nicht sein Blut, doch das Blut eines Freundes, noch warm
Die Art von Wunde niemals erstarrt im Gram
Er kniete nieder, sprach kein Gebet
Legte ab, wo das Moos leise weht
Beifuß und Wacholder, Holz und Gebein
Er ließ, was ihn trug, im Wasser allein.

(Refrain)

Strophe 3

Die Schlange zog Kreise durchs Silber, und Lehm
Das Ei in dem Moos wird bald auferstehn
Nicht zu Flügeln, nicht Flamme, nicht gleißendem Licht
Zu etwas, das Worte und Seele durchbricht
Ich gab keine Antwort, ich gab keine Zeichen
Nur der Fluss von Wasser und Zeiten, sollte reichen
Doch als er aufstand, war die Last fast gewandt
Nicht fort, doch getragen von anderer Hand

Bridge

Sie bauten Kapellen auf mein Gesicht
Änderten den Namen, doch den Ort selbst nicht
Sirona, Maria, die Alte, die Reine
Ich bin das Wasser, ich bin im Steine
Sie vergessen, sie kehren, sie knien und sie gehen
Ich halte ihr Leid, das im Netz bleibt bestehen
Durch Jahrhunderte wandernd, durch Glaube und Klage
Ich bin immer da für ihre stumme Frage

Outro

So ging der Jäger zurück durch den Wald
Nicht heil, doch leichter, im Schritt nun gestaltet
Und ich fließe weiter bei Hochscheid im Grund
Durch Kappelbachs Ader, seit Anbeginn der Stund
Leg es nieder … leg es nieder … leg es nieder …
… in Stille …

✦ ✦ ✦

Text & Musik: Ricky Helfgen

MEDIOMA: Ricky (Gitarre, Gesang, Leier) · Doris (Gitarre, Gesang) · Claudia (Akkordeon) · Heiko (Percussion) · Anne Christin (Percussion)

MEDIOMA – Wo alte Sagen in Musik enden

Dieses Blog durchsuchen

Leg es nieder am Rand des Quells …

   „Leg es nieder am Rand des Quells …“ Tief im Wald bei Hochscheid im Hunsrück, dort wo der Kappelbach entspringt, verehrten die Menschen vor fast zweitausend Jahren eine Göttin des heilenden Wassers: Sirona . Kelten und Römer kamen an ihre Quelle, brachten Gaben und Gebete und legten ihre Sorgen ins Wasser. Gefunden wurde dort ein Heiligtum mit einem Bild der Göttin: eine Schlange um den Arm, eine Schale mit Eiern in der Hand, beides Zeichen für Heilung und Erneuerung. Mit „Sironas Quelle“ lassen wir die Göttin selbst sprechen. Sie hat Tempel zerfallen sehen, erlebt, wie Gebete die Sprache wechselten und Kapellen auf ihrem Ort entstanden, und sie ist doch immer dieselbe geblieben: das Wasser, das nicht urteilt, sondern nur hält und trägt. Im Mittelpunkt steht ein Jäger, der im Herbstnebel an die Quelle kommt, einen Pfeil in der Hand und mit der Schuld am Blut eines Freundes. Er betet nicht. Er legt einfach ab, was ihn bedrüc...

Der Hüter am Brunnen

Der Hüter am Brunnen Ein neues Lied aus der Sage vom verschwundenen Gastmahl Ein gedeckter Tisch tief im Berg, mit Brot, Wasser und Wein aus alter Nacht. Wer hier einkehrt, darf essen und trinken. Nur eines darf er nicht: etwas mitnehmen. Die Sage vom verschwundenen Gastmahl erzählt von dieser Prüfung, und sie erzählt davon, was geschieht, wenn ein Mensch sie nicht besteht. Wir haben die Geschichte umgedreht und lassen nicht den Wanderer erzählen, sondern den, der am Tisch wartet: den Hüter . Er hat den Müden durch kühlen Stein geführt, das Mahl bereitet und den Spruch gesprochen, der über den Zauber wacht. Und er hat gehofft, dass dieser Gast endlich die Grenze achtet. Am Ende fließt der Hüter selbst leise aus dem Stein, als Wasser des Brunnens, und wartet weiter auf den einen Menschen, der seinen Tisch mit leeren Händen verlässt. Das Lied lebt von einem wiederkehrenden Motiv in h-Moll, das gepfiffen zwischen den Strophen auftaucht, ruhig und ...