Der Hüter am Brunnen
Der Hüter am Brunnen
Ein neues Lied aus der Sage vom verschwundenen Gastmahl
Ein gedeckter Tisch tief im Berg, mit Brot, Wasser und Wein aus alter Nacht. Wer hier einkehrt, darf essen und trinken. Nur eines darf er nicht: etwas mitnehmen. Die Sage vom verschwundenen Gastmahl erzählt von dieser Prüfung, und sie erzählt davon, was geschieht, wenn ein Mensch sie nicht besteht.
Wir haben die Geschichte umgedreht und lassen nicht den Wanderer erzählen, sondern den, der am Tisch wartet: den Hüter. Er hat den Müden durch kühlen Stein geführt, das Mahl bereitet und den Spruch gesprochen, der über den Zauber wacht. Und er hat gehofft, dass dieser Gast endlich die Grenze achtet. Am Ende fließt der Hüter selbst leise aus dem Stein, als Wasser des Brunnens, und wartet weiter auf den einen Menschen, der seinen Tisch mit leeren Händen verlässt.
Das Lied lebt von einem wiederkehrenden Motiv in h-Moll, das gepfiffen zwischen den Strophen auftaucht, ruhig und ein wenig unheimlich, wie ein Echo im Stollen.
Der Liedtext
Refrain
Iss und trink, doch lass es sein,
nimm nichts mit aus meinem Haus.
So nah war ich dem ersten Licht,
doch du gingst nicht allein.
Doch du gingst nicht allein.
Strophe 1
Ich stand am Rand der heißen Zeit,
wo keiner lange bleibt.
Der Staub lag schwer auf deinem Weg,
der Tag war müd’ und weit.
Ich sah dich fallen in den Schlaf,
noch eh du mich erkannt.
Ich hoffte nur, du wärst der,
der die Grenze achten kann.
Strophe 2
Ich führte dich durch kühlen Stein,
durch Jahre ohne Zahl.
Der Berg kennt meinen stillen Eid
um diesen dunklen Saal.
Ich stellte Brot und Wasser hin
und Wein aus alter Nacht.
Ein Spruch nur sprach ich leise aus,
der über Zauber wacht.
Refrain
Iss und trink, doch lass es sein …
Strophe 3
Ich sah die Hand, sie zögerte,
wie Laub im ersten Wind.
Ein Atemzug, ein stiller Blick,
und ich wusste, wer wir sind.
Als du den Apfel bei dir trugst,
war alles längst gesagt.
Der Berg schloss langsam seine Tür
und schwieg, wie er es mag.
Refrain
Iss und trink, doch lass es sein …
Coda
Nun fließ ich leise aus dem Stein,
wo Hoffnung enden muss.
Vielleicht trinkst du von mir und spürst,
was du verloren hast.
Wenn je ein Mensch mit leeren Händen
meinen Tisch verlässt,
dann darf auch ich den Berg vergessen,
denn aus ist mein Arrest.
Text & Musik: Ricky Helfgen
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